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Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu! Offenbarung 21, 5

Während ich über die neue Jahreslosung für 2026 nachdenke, beginnt für mich nochmal ein neuer Lebensabschnitt. Ich lerne neu laufen mit einem „Ersatzteil“ im Körper, das Dank der medizinischen Möglichkeiten, dem Wissen der Ärzte, der guten Versorgung durch Pflege und Therapie und der Fürbitte derer, die für mich beten, Schritt für Schritt, mit viel Geduld gelingt. Es ist für mich eine nicht ganz neue Erfahrung und doch etwas Neues.

Wenn Gott sagt: „Ich mache alles neu!“, dann ist das viel mehr. Und doch hat es etwas mit „laufen lernen“ zu tun – laufen lernen in Gottes Spuren und an seiner Hand. Doch die Frage ist, können wir das glauben, dass er wirklich ALLES neu macht? Können wir es für uns wirklich begreifen und in Anspruch nehmen und darauf vertrauen, dass Gott nicht nur einige Baustellen in unserem Leben und auch global wiederherstellt, sondern umfassend Neues schafft?

Der Satz steht ja nicht im luftleeren Raum, sondern ist konkret in die Zeit der ersten Christenverfolgung hineingesprochen. Johannes sieht in der Zeit seiner Verbannung auf der Insel Patmos etwas Merkwürdiges und Großartiges und er hört ungeheure Zusagen. Diese Vision und Audition schreibt er auf, für die in Bedrängnis geratenen ersten christlichen Gemeinden. Viele nennen das Buch der Offenbarung „ein Buch mit sieben Siegeln“, denn sie zu entschlüsseln ist nicht einfach. Zu oft wurde sie auch missbraucht. Hineingesprochen in eine schwierige Zeit des ersten Jahrhunderts kann sie heute für uns aber genauso hoch aktuell sein, wenn wir darin Gottes Zusagen für uns ganz persönlich „entschlüsseln“.

Die Frage, die sich am Beginn eines neuen Jahres allerdings stellt, ist die: Wollen wir uns überhaupt auf Neues einlassen? Oder ist uns das Alte, Vertraute, auch wenn es nicht gut war, dann doch lieber?

Wenn wir uns das Bild von Stefanie Bahlinger auf der Titelseite ansehen, dann kann uns dies vielleicht auf die Sprünge helfen. Die Künstlerin setzt nicht ohne Grund den Regenbogen als Zeichen ins Bild. Ein deutliches Signal, dass Gott immer wieder einen Neuanfang möglich gemacht hat. In den Regenbogen fügt sich ein goldenes Kreuz, das stärkste Zeichen Gottes, seiner Zuwendung und Liebe zu uns. Im unteren Bereich des Regenbogens wird das Rot zu Blutstropfen. Die Ermöglichung eines Neuanfangs war nicht billig. Sie hat Jesus das Leben gekostet. Aber mit seinem Sieg über den Tod und alle dunklen Mächte ermöglicht Jesus für uns den Neuanfang, immer wieder neu.

Im Vers vor unserer Jahreslosung steht: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ (V. 4) Noch einmal die Frage: Können wir das glauben? Kannst du dich darauf einlassen?

Gott hat so viel mehr Möglichkeiten, als wir nur erahnen. Das hat er immer wieder gezeigt. Er hat Wort gehalten und seine Worte sind keine leeren Versprechungen, keine billigen Vertröstungen für die Ewigkeit irgendwann einmal. Nein, dies beginnt hier und jetzt. Johannes sieht: der Auferstandene Christus sitzt im Regiment. Auch wenn alles andere dagegenspricht. Die Aufforderung „Siehe!“ gilt uns. Sieh hin! Sie genau hin! Lass dich nicht täuschen von Krisen und Konflikten, von populistischen Angstmachern und größenwahnsinnigen Politikern, von Rechthabern und Scheinheiligen. Letztendlich zählt nur Gottes Zusage. Und wenn wir uns im neuen Jahr darauf einlassen, dann wird es geschehen. Denn er allein ist der „Anfang und das Ende, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige.“ (V. 1,8)Dass dies zur ganz persönlichen Erfahrung und Hilfe im neuen Jahr wird, wünscht Ihnen und euch,

Ihr/euer Pfarrer Andreas Hermsdorf