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Wirklich alles?

"Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe ... aber das Geld ist das Größte unter ihnen.“ So hat es der Liedermacher Wolf Biermann mal formuliert und damit den Apostel Paulus absichtlich nicht ganz korrekt zitiert. Aber er hat damit unsere Werte, unser Denken und Handeln in Frage gestellt. Inzwischen geht es nicht mehr nur um unseren Umgang mit Geld und Besitz und mancher Verteilungsschieflage, sondern es geht darum, ob ethische und moralische Werte noch zählen.

Unsere Gesellschaft reißt immer weiter auseinander. Von liebevollem Umgang miteinander, geschweige denn, dass dies das Höchste wäre, keine Spur! Und doch schreibt Paulus immer wieder darüber, weil es so wichtig ist.

Der Satz der Jahreslosung für 2024 stammt aus einem seiner Briefe an die noch junge Gemeinde in der Hafen und Handelsstadt Korinth. Nachdem er im 13. Kapitel ein hohes Lied auf die Liebe angestimmt hat, kommt er am Ende seines Briefes noch einmal auf diese Liebe zurück.

 

„Alles aber, was ihr tut, geschehe in Liebe!“ (1. Korinther 16,14)

 

Alles, wirklich alles? Mein lieber Paulus, ist das nicht zu viel des Guten? Im Gegenteil! Zugegeben, dies ist ein hoher Anspruch. Aber billiger geht es nicht. Gott hat es uns vorgemacht. Die Liebe, die Gott uns in Jesus Christus gezeigt hat, ist einzigartig. Diese Liebe gilt es weiterzugeben. Eine Liebe, die nicht zudeckt, nicht beliebig ist, sondern die ehrlich ist und dem anderen mit Respekt und Ehrfurcht begegnet.

Liebe kann man nicht machen, man kann sie sich nur schenken lassen und weiterschenken. Um diese Liebe von Gott sollten wir bitten, immer wieder neu.

Der Schauspieler Hannes Jaenicke, der in diesem Jahr im TV-Event „Die Passion – Die größte Geschichte aller Zeiten“ mitwirkt, hat gerade erst darauf hingewiesen, wie wichtig es ist „in Zeiten zunehmender Geschichts-Amnesie gelegentlich an die Fundamente unserer christlich-jüdischen Geschichte zu erinnern.“

Das Ignorieren der eigenen Geschichte führt zu Überheblichkeit, Selbstgerechtigkeit und Lieblosigkeit anderen gegenüber. Wir Christen haben einen Auftrag in dieser Welt und in unserer Gesellschaft. So, wie wir es immer wieder einüben müssen, innerhalb der Gemeinde wirklich aufmerksam und liebevoll, mit Respekt und Anstand einander wahr- und anzunehmen, so wird dies Kreise ziehen in unser Umfeld.

Deshalb können wir es versuchen und darum bitten, dass es uns gelingt, alles in Liebe zu tun, wirklich alles!
Liebe Grüße
Ihr/euer Pfarrer Andreas Hermsdorf